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Das Hauskaninchen ist die domestizierte Form des europäischen Wildkaninchens.
Hauskaninchen werden sowohl als Nutztiere zur Fleisch- und Pelzproduktion als auch als Heimtiere gehalten, wofür sich vor allem die Zwergrassen eignen. Als "Kuscheltiere" für Kinder sind Hauskaninchen kaum geeignet.
Besondere Eigenschaften
Im Unterschied zum Menschen verfügen Kaninchen nicht über drei, sondern nur über zwei unterschiedliche Typen von Lichtsinneszellen für die Farberkennung. Sie sind also rotgrünblind, das heisst: Sie nehmen rot und grün als eine einzige Farbe wahr.
Fortpflanzung
Die Tiere sind nach etwa 10 bis 12 Wochen geschlechtsreif, sollten jedoch nicht vor einem Alter von einem Jahr gedeckt werden. Das Weibchen wirft nach einem Monat Tragzeit zwischen 4 und 12 Jungen.
Eine Besonderheit der Tierart ist ihre sprichwörtliche Fähigkeit zur Fortpflanzung, welche in der freien Wildbahn das Überleben dieser als Beutetier sehr begehrten Tiere sicherstellt. Gleich zwei Mechanismen sichern eine optimale Reproduktionsleistung. Zum einen sorgt die kopulationsinduzierte Ovulation dafür, dass bei einem Deckakt gleichzeitig ein Eisprung erfolgt, was die Paarung sehr effektiv macht. Eine weitere Einrichtung ist der Uterus duplex, über welchen die Tiere quasi über zwei voneinander unabhängige Fortpflanzungsorgane verfügen.
Kleinwüchsige Tiere (so genannte Zwergkaninchen) vererben ihre Körpergrösse relativ häufig nicht stabil weiter, selbst wenn sie mit Artgenossen aus kleinwüchsigen Zuchtlinien verpaart werden. Das heisst: Schon die Embryonen werden dann im Mutterleib viel zu gross für die Mutter. So kommt es häufig zu Totgeburten oder gar zum Absterben der Embryonen vor der Geburt, was eine Notoperation der Mutter zur Folge hat. Die Verpaaarung von kleinwüchsigen Kaninchen aus nicht genau bekannten Zuchtlinien kann daher äusserst riskant sein.
Kaninchen, fälschlicherweise oft als Hasen bezeichnet oder mit diesen gleichgestellt, lassen sich nicht mit Hasen kreuzen, da diese eine andere Art darstellen.
Ernährung
Kaninchen sind reine Pflanzenfresser und brauchen eine entsprechende Ernährung. Der Verdauungstrakt der Tiere ist auf eine gleichmässige Nahrungszufuhr angewiesen. Unterbrechungen in der Nahrungszufuhr über einen längeren Zeitraum sind als Notfall zu betrachten und können sich lebensbedrohlich auswirken. Der Verdauungsapparat ist auf die Verwertung von Gräsern ausgerichtet; kohlenhydratreiche Nahrung kann langfristig Schäden verursachen. Grundsätzlich sollte die Futterzusammensetzung daher dem in freier Natur vorhandenen Nahrungsangebot ähneln und mindestens 16 % Rohfaser enthalten. Futterumstellungen sollten in kleinen Schritten vollzogen werden.
Die Ernährung mit kommerziellen Trockenfuttermitteln entspricht in der Regel nicht den physiologischen Bedürfnissen von Kaninchen, da die angebotenen Produkte als wesentliche Inhaltsstoffe verschiedene Getreidearten, Melasse oder Honig enthalten und zu energiereich sind. Handelsübliche Mischfuttermittel sollten nur in geringem Umfang (etwa 1 Esslöffel pro Tag) verabreicht werden. Deren leichte Verdaulichkeit hat verschiedene negative Effekte: neben der Tatsache, dass die Tiere infolge des zu hohen Energieangebotes verfetten, kommt es durch den geringen Gehalt an Rohfasern zu einer "Unterforderung" des Darmes, was sich in bakteriellen Fehlbesiedlungen (Dysbakterie) und damit verbundenen Durchfallerkrankungen auswirken kann. Der zu geringe Zahnabrieb begünstigt die Entstehung von schwerwiegenden Maulhöhlenerkrankungen. Die Verfettung bei übermässiger Kraftfuttergabe führt zu weiteren Problemen wie Kreislaufschwäche oder wunden Läufen.
Grundlegender Nahrungsbestandteil von Kaninchen sind Heu und Wasser. Die Qualität des Heus kann man an der Länge der einzelnen Halme sehen (ca. 20-35 cm), ausserdem sollte es einen wesentlichen Anteil von Wiesenkräutern haben. Gutes Heu muss grün sein und nicht grau, es duftet natürlich und aromatisch. Wichtig ist auch, dass es von biozidfreien Wiesen kommt, ebenso darf es nicht feucht und muss schimmelfrei sein. Um Verschmutzungen der Nahrung zu vermeiden, bietet sich die Verwendung entsprechender Vorratsbehältnisse (Raufe, Trinkflasche) an.
Neben Heu und Wasser ist Frischfutter für Kaninchen der zweite wesentliche Nahrungsbestandteil. Es sollte stets frisch und nicht nass sein. Futterpflanzen, Gemüse und Obst sind reich an Eiweiss und Kalzium und haben einen hohen Nährstoffgehalt. Übliche Nahrungsbestandteile sind Fenchel, Möhren, Gurke, Apfel, Feldsalat, Knollensellerie, rote Beete, Petersilie, Löwenzahn, Schafgarbe, Johannisbeerblätter, Kohlrabiblätter und andere frische Kräuter. Frisches Gras kann nach der Gewöhnung in grossen Mengen angeboten werden. Der Obstanteil sollte den Gemüseanteil aufgrund seines hohen Zuckergehaltes nicht übersteigen. Kohlrabiblätter, Luzerneprodukte («Grünrollies»), Petersilie, Dill und Broccoli sollten nur in Massen verfüttert werden, da der hohe Kalziumgehalt der Blätter zumeist zur Ausfällung von Kalziumkristallen in der Harnblase führt. Diese können zur Bildung von Blasensteinen führen, welche nur operativ entfernt werden können. Sämtliche Kohlarten (Kohlrabi, Brokkoli, Chicoree etc.) können Blähungen bis hin zur oftmals tödlich verlaufenden Trommelsucht verursachen und sollten daher nur sparsam verfüttert werden.
Wasser sollte ständig verfügbar sein, am besten mittels einer Tränkflasche. Die Wasseraufnahme hängt vom Grünfutteranteil ab. Ein zu geringes Wasserangebot fördert ebenfalls die Bildung von Blasensteinen.
Pflege
Hauskaninchen brauchen viel regelmässige Pflege und Zuneigung (weniger als ein Hund, aber mehr als eine Katze). Bevor man sich ein Hauskaninchen zulegt, sollte man dies bedenken. Hauskaninchen sind nicht sonderlich gelehrige Tiere. Man kann ihnen durchaus einfachere Kommandos wie "Komm her" antrainieren: Wenn das Kaninchen kommt und dann gestreichelt oder mit etwas Leckerem gefüttert wird, lernt es den Zusammenhang relativ schnell. Auch das "Männchen machen" kann man so einstudieren. Dabei ist jedoch eine gehörige Portion Geduld gefragt; keinesfalls sollte man zu viel von seinem Liebling erwarten. Auch wenn viele Kaninchen praktisch ganzjährig in einem Stall gehalten werden, ist dies keineswegs artgerecht; Kaninchen brauchen viel Auslauf.
Die "Lust" am Knabbern ist für Kaninchen arttypisch. Deshalb sind Hauskaninchen für den Freilauf in der Wohnung ungeeignet, zumal wenn irgendwelche Kabel für die Tiere erreichbar sind. Ähnlich wie beim Umgang mit Katzen darf man Hauskaninchen nicht bestrafen, wenn die "Tat" bereits zurückliegt, denn das Hauskaninchen kann den Zusammenhang nicht mehr herstellen. Werden Kaninchen auf frischer Tat ertappt, kann man z.B. in die Hände klatschen; damit ahmt man das Warnklopfen der Tiere nach und sie lassen von der unerwünschten Tätigkeit ab. Gut geeignet ist auch eine griffbereite mit Wasser gefüllte Sprühflasche. Das Besprühen mit Wasser ist für die Tiere richtig unangenehm, aber schmerzlos. Kaninchen dürfen aber nicht richtig nass gemacht werden, sonst werden sie schnell ernsthaft krank. Kaninchen dürfen auch nie an den Ohren gezogen werden, das kann zu schmerzhaften Verletzungen führen.
Wichtig ist also: wer beschliesst, ein Kaninchen in der Wohnung zu halten, sollte seine Wohnung dementsprechend kaninchengerecht aufbereiten (so wie man seine Wohnung schliesslich auch kindgerecht gestaltet, sobald Nachwuchs ins Haus steht). Denn es ist sicherlich keine artgerechte Tierhaltung, das Tier permanent im Käfig zu lassen, weil es einem zu lästig ist, das Tier zu beaufsichtigen.
Kabel sollten so angebracht sein, dass das Kaninchen sie nicht erreichen kann. Falls dies nicht möglich ist, muss es beim Auslauf beaufsichtigt werden.
Die Krallen, Augen und Zähne sollte man regelmässig selbst oder bei Unkenntnis durch ein fachkundiges Personal überprüfen lassen.
Haltung
Die Haltung von Kaninchen sollte sich genau wie die Fütterung an den natürlichen Verhaltensmustern der Tiere orientieren. Kaninchen leben in freier Wildbahn in grösseren Gruppen, zeigen eine ausgeprägte soziale Hierarchie und Revierverhalten, als Rückzugsraum dienen selbstgegrabene Höhlen. Die Haltung eines einzelnen Kaninchens ohne entsprechende Beschäftigung ist daher strenggenommen tierschutzwidrig. Für die häufig praktizierte Form der gemeinsamen Haltung eines Kaninchens und eines Meerschweinchens trifft diese Aussage gleichfalls zu. Bei einer reinen Käfighaltung ohne Auslauf kann das Bewegungsbedürfnis der Tiere nicht befriedigt werden.
Grundbedürfnisse:
- Sozialkontakt mit Artgenossen
- Bewegung, Nagen, Graben, Versteckmöglichkeiten/Unterschlüpfe
- Überblick
- Abwechslung, Ruhepausen
- Abwechslungsreiche Nahrung, Heu zur ständigen Verfügung
Wirklich artgerechte Kaninchenhaltung ist anspruchsvoller, aufwändiger und teurer als konventionelle Käfighaltung.
Aussenhaltung
Hobbyzüchter praktizieren zumeist die Aussenhaltung in hölzernen Stallanlagen, die mehrere Einzelbuchten über- und nebeneinander aufweisen. Die Kaninchen sitzen entweder auf Stroh-Einstreu oder es werden Ställe mit Kotschubladen verwendet, wobei die Tiere auf einem Gitter-Rost gehalten werden, durch den die Ausscheidungen in eine flache Kunststoffwanne fallen, die zum Entmisten herausgezogen und entleert wird. Unbequeme Draht-Rosten sind zu vermeiden oder durch ein Liegebrett zu ergänzen, während spezielle Kunststoff-Rosten vom Tier als angenehme Liegeflächen empfunden werden.
Um dem Bewegungsbedürfnis der Tiere Rechnung zu tragen, sollte den Kaninchen ein zusätzlicher Freilauf gewährt werden. An das Gehege werden folgende Anforderungen gestellt: Mindestfläche 6 Quadratmeter, Ein- und Ausbruchsschutz (Kaninchen sind eine beliebte Beute für kleine Raubtiere), Sichtnähe, wetterfeste Hütte, überdachte Futterstellen, erhöhte, geschütze Fläche, Kiste(n), hohler Baumstamm oder Röhre, Naturmaterialien wie Äste, Wurzelstöcke etc.
Wobei eine permanente Haltung eines (oder mehrerer) Kaninchen im Stall (egal ob Innen- oder Aussenhaltung) generell schon als Tierquälerei angesehen werden kann. Es entspricht nicht den natürlichen Bedürfnissen eines Tieres, sein Leben lang auf kleinster Fläche eingesperrt zu sein. Menschen, die also von vorne herein wissen, dass sie nicht ausreichend Zeit haben, sich um ein Kaninchen zu kümmern und diesem regelmässigen Auslauf zu gewähren (mind. 2 Stunden pro Tag!), sollten gar nicht erst in Betracht ziehen, Kaninchen zu halten. Dies gilt auch für die Haltung in der Wohnung.
Innenhaltung
Bei einer ausschliesslichen Haltung innerhalb einer Wohnung muss genügend Auslauf gewährleistet sein, um den Bewegungsdrang abzubauen. Dabei ist auf freiliegende Kabel und Einrichtung zu achten, der Auslauf muss kanichensicher gestaltet werden. Eine relativ neue Freizeitbeschäftigung, die dem Bewegungsdrang des Tieres entgegenkommt sind die Wettbewerbe im Kaninchenspringen, bei dem die Tiere einen Parcours mit Hindernissen bewältigen müssen.
Pro Tier sollten mindestens 2m² in Form eines Zimmergeheges oder einer geschützten Stelle am Balkon zur ständigen Verfügung stehen, die handelsüblichen Käfige mit Massen von 50x100cm sind daher gänzlich ungeeignet und Grenzen an Tierquälerei. Das Gehege sollte mit Versteckmöglichkeiten (Kartons, Häuschen) ausgestattet sein, da Kaninchen von Natur aus Höhlen lieben.Man kann den Tieren auch eine Buddelkiste zur Verfügung stellen, die mit Einstreu oder Erde gefüllt wird.
Als Unterlage im Gehege eignen sich Plastikwannen oder PVC- Belag, da dies leicht zu reinigen ist. Zum Einstreuen empfiehlt sich Naturfaser- oder Maiseinstreu dank hoher Saugkraft, eine Schicht Heu oder Stroh sorgt für mehr Wohlbefinden seitens der Kaninchen.
Quelle: Wikipedia, die freie Enzyklopädie - Kaninchen
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